Mehr politische Bildung an Schulen für eine Stabile Demokratie

 

 

 

 

 

Soll Politik in unseren Volkschulen mehr Platz finden? Wieviel Platz Politik im Unterricht gewährt werden soll respektive muss, wird öffentlich sehr kontrovers diskutiert. Eine Studie des gfs.bern empfiehlt gar eine politische Bildungsoffensive. Denn die Studie kommt zum Schluss, dass politische Bildung an den Schulen als wichtigsten Faktor für eine stabile Demokratie gesehen wird.

 

 

Was bedeutet eigentlich der Begriff Politik? Politik stammt vom griechischen Wort POLIS, was übersetzt "Stadt" heißt. Gemeint ist das Recht aller Bürger einer Stadt (einer Gemeinde), über ihr Leben mitzubestimmen. Demnach machen alle Politik, die sich für Anliegen unserer Gesellschaft, unseres Kantons, unserer Gemeinde, unseres Quartiers oder unseres Vereins interessieren. Das Politisieren darf nicht delegiert werden! Erst recht nicht in einer direkten Demokratie. In unserem direkt demokratischen Land haben wir alle das Recht mitzureden und mitzubestimmen. Für diese Errungenschaft haben unsere Vorfahren gar mit Blutvergiessen gekämpft. Weil wir das Privileg des freien Politisierens geschenkt bekommen haben, sind wir dann nicht auch alle moralisch verpflichtet, es zum Wohle der Gemeinschaft zu nutzen? Ja, wir sind verpflichtet, uns für politische Fragen zu interessieren. Da wir auf den drei Ebenen Gemeinde, Kanton und Bund bei verschiedensten Themen mit unterschiedlicher Komplexität direkt mitentscheiden können, brauchen wir auch mehr politische Kenntnisse als in einer Republik mit ausschliesslichem Wahlrecht.

 

Deshalb bin ich klar der Auffassung, dass unsere Volksschulen ihre durch den Lehrplan gewährten Zeitgefässe für politische Bildung nutzen müssen. Dabei sollen nicht nur politische Strukturen, Instrumente und Themen den Jugendlichen zur Kenntnis gebracht werden. Wichtig ist aus meiner Sicht ebenso das Üben und Erleben von Demokratie. Dies können unsere Hünenberger Schülerinnen und Schüler auf allen Schulstufen mit einem Klassenrat und einem Schülerparlament real erfahren. Weiter lernen sie, in Diskussionsrunden und bei Gruppenarbeiten das verständliche Erklären und Überzeugen. Dazu gehören eine gepflegte Diskussionskultur und die Fähigkeit, im Team eine Entscheidung treffen zu können. So schaffen die Volksschulen eine Basis, damit die jungen Bürgerinnen und Bürger sich in der Gesellschaft und unserem politischen System engagieren können.

 

Ich bin ebenso klar der Meinung, dass die Volkschule das direkte demokratische Politsystem mit Milizpolitkern nicht alleine für die Zukunft festigen kann. Dazu braucht es auch die Vorbildfunktion der Eltern, der Lehrpersonen und der Politikakteure! Wenn wir uns ständig negativ über Politik äussern und die politischen Rechte und Pflichten nicht wahrnehmen (Teilnahme an Gemeindeversammlungen oder Abstimmungen und Wahlen), dann kann die Schule junge Leute nur schwerlich von der Wichtigkeit des persönlichen Interesses am politischen Geschehen überzeugen. Ich möchte nochmals betonen, dass das Privileg des freien Politisierens keine Selbstverständlichkeit ist. In vielen anderen Ländern müssen die Menschen noch immer für dieses Recht kämpfen. Deswegen müssen wir die Errungenschaften der direkten Demokratie mit Kräften hegen und pflegen!

 

Meine Hoffnung ist, dass unsere Schülerinnen und Schüler dank dem Engagement der Schulen und dem Vorbild von uns Erwachsenen später als Stimmbürger den Wert des Politisierens positiv werten und erkennen, dass ein persönliches Engagement notwendig ist, um unsere so erfolgreiche direkte Demokratie auch in der Zukunft sicher zu stellen.

 

Ueli Wirth
Gemeinderat / Schulpräsident

 

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